Altcoins mit schwacher Performance?
Wer seine Investitionen ausschließlich in Dollar oder Euro bewertet, verliert oft den Blick fürs Ganze. Verglichen mit starken Benchmarks wie dem Nasdaq schneidet der Altcoin-Markt seit Jahren schwach ab, was die Marktstimmung trübt. Doch es tut sich etwas Bemerkenswertes: Kryptowährungen rücken immer mehr in den Mittelpunkt des Finanzsystems. In dieser Ausgabe der Market News laufen diese beiden Entwicklungen zusammen: ein Markt auf der Suche nach Orientierung, und eine Infrastruktur, die sich rasant entwickelt.
Markt-Update
Wir drücken die Preise von Kryptowährungen oft in Euro oder Dollar aus. Genauso messen wir auch die Wertentwicklung unserer Investitionen – den Gewinn oder Verlust. Über Wochen und Monate funktioniert das gut, betrachtet man die Entwicklung allerdings längerfristig, spielt die Entwertung dieser Währungen eine Rolle. Über die Jahre hinweg wird der Wert immer geringer. Der Betrag in deinem Portfolio steigt zwar, aber du kannst dir davon immer weniger Lebensmittel leisten.
Möchtest du sehen, wie deine Investitionen über mehrere Jahre abschneiden? Dann ist es hilfreich, den Wert nicht nur in Euro und Dollar zu messen, sondern anhand einer Benchmark, welche lange mit der Inflation Schritt gehalten oder diese übertroffen hat. Das kann Gold sein oder ein wichtiger Aktienindex.
Der Gesamtmarktwert des Altcoin-Index 'total2es', der die Plätze 2 bis 125 der Krypto-Rankings ohne Stablecoins einstuft, beträgt jetzt 950 Mrd. $, weit über den 350 Mrd. $ seines Höchststands im Jahr 2017 und seines Tiefs im Jahr 2022. Im Vergleich zum US-Technologieaktienindex Nasdaq 100 sieht es weniger vielversprechend aus. Der Altcoin-Markt bewegt sich nur leicht über dem letzten Bärenmarkt-Tief und immer noch unter dem Höhepunkt von 2017.
Das erklärt die gedrückte Stimmung am Altcoin-Markt. Ein Anleger interessiert sich weniger für die langfristige Preisentwicklung. Doch die meisten Altcoin-Anleger stecken, verglichen mit Tech-Aktien, seit vier Jahren in einem Bärenmarkt fest.
Im Fokus
Kryptowährungen bewegen sich in Richtung Bankwesen
F ünf große Krypto-Unternehmen haben in den USA nationale Banklizenzen erhalten. BitGo, Circle, Fidelity Digital Assets, Paxos und Ripple dürfen nun als sogenannte Treuhandbanken unter der Aufsicht der US-Regulierungsbehörde OCC tätig werden. Das bedeutet nicht, dass sie zu traditionellen Banken werden, die Kredite vergeben oder Sparbuchkonten anbieten. Doch sie werden einen Platz in der formalen Struktur des US-Finanzsystems einnehmen.
Das mag wie ein unbedeutendes Detail klingen, löst aber ein Problem, das die Branche jahrelang geplagt hat. Kryptowährungen befanden sich in einer Art Niemandsland: zu groß und wichtig, um ausgeschlossen zu werden, aber ohne einen geeigneten Rechtsrahmen. Diese Diskrepanz war besonders problematisch in Bereichen, in denen Vertrauen und Verantwortung entscheidend sind.
Nehmen wir beispielsweise das Thema Verwahrung: Institutionelle Anleger möchten Kryptowährungen halten, aber nur, wenn klar ist, wer letztendlich die Verantwortung trägt. Keine Grauzonen zwischen Technologieunternehmen und Bank, keine fragmentierte Aufsicht. Ohne staatlich anerkannte Treuhandbanken blieb dies ein Hindernis.
Dasselbe galt für Stablecoins. Unternehmen verwalteten Milliarden von Dollar an Reserven und agierten faktisch wie Banken, jedoch ohne den entsprechenden Rechtsstatus. Solange die Märkte ruhig bleiben, funktioniert dies, wirft aber in Krisenzeiten Fragen auf: Wer übt die Aufsicht aus und welche Regeln gelten?
Die Tokenisierung führt zu ähnlichen Problemen. Digitale Versionen von Aktien oder Anleihen benötigen nicht nur Code, sondern auch eine rechtliche Struktur, Verwaltung und Aufsicht. Ohne eine bankähnliche Infrastruktur kamen viele Projekte nie über die Pilotphase hinaus.
Treuhandlizenzen schließen diese Lücke – und sie sagen viel über unseren heutigen Stand aus. Kryptowährungen brauchten keine Banken, um zu entstehen, aber das Finanzsystem benötigt sie, um Kryptowährungen wirklich zu integrieren. Genau das geschieht hier. Wer das Verhalten von Institutionen beobachtet, kann sehen, dass Kryptowährungen nicht länger ignoriert oder bekämpft werden, sondern schrittweise und zu systemverständlichen Bedingungen integriert werden. Dies ist nicht das Endziel, aber ein klarer Schritt nach innen.
Weitere Meldungen
OCC gibt US-Banken grünes Licht für Krypto-Handel. Die US-Bankenaufsicht hat bestätigt, dass nationale Banken Vermittlerdienste anbieten und sogar als Vermittler fungieren dürfen. Konkret dürfen Banken Kryptowährungen im Namen von Kunden kaufen und verkaufen, Liquidität bereitstellen und Transaktionen abwickeln, solange Risikomanagement und Compliance in Ordnung sind. Dies ist keine Lizenz, um mit der eigenen Bilanz zu spekulieren, aber es normalisiert Krypto als Finanzprodukt.
PNC Bank ermöglicht wohlhabenden Kunden den direkten Bitcoin-Handel. Die große US-Bank bietet ihren Privatkundengeschäftskunden nun den Spot-Handel mit Bitcoin direkt in der Bankenumgebung an. Es ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt: Dieses konservative Kundensegment erhält erst Zugang, sobald Compliance und Depotgeschäft vollständig eingerichtet sind. PNC Bank ist in 27 US-Bundesstaaten mit fast 2.700 Filialen und 10.000 Geldautomaten vertreten.
DTCC erhält grünes Licht für Experimente mit Tokenisierung. Der amerikanische Wertpapierverarbeiter erhielt einen „no-action letter“ von der SEC. Die DTCC möchte tokenisierte Versionen von Aktien und Fonds in einer kontrollierten Umgebung testen und weiß jetzt: Die SEC wird nicht eingreifen. Die DTCC ist das Rückgrat der Wall Street und verarbeitet täglich Billionen von Transaktionen. Die Entscheidung der SEC wird als Genehmigung angesehen: Die Tokenisierung könnte nun vom theoretischen Konstrukt zur Infrastruktur werden.
Interactive Brokers stellt Stablecoins neben das Girokonto. Der amerikanische Broker ermöglicht es Kunden, ihre Depots direkt mit Stablecoins zu finanzieren – ganz ohne die Einmischung einer Bank. Auffällig ist, dass dies nicht von einem Fintech kommt, sondern von einem etablierten Player, der auch Aktien, Optionen und Futures anbietet. Interactive Brokers hat weltweit mehr als 4 Mio. Kunden, die Hunderte von Milliarden investiertes Kapital repräsentieren.
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