Doppelboden oder letzter Atemzug?

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Bitvavo12. Jan. 2026

Nach Monaten des Rückgangs scheint der Markt eine Entscheidung zu treffen. Altcoins zeigen ein Muster, das Hoffnung auf eine Erholung macht, doch die Trendwende ist noch nicht bestätigt. In der Zwischenzeit tobt in den USA ein anderer Kampf: der zwischen Trump und der Zentralbank. Genau dieser Konflikt berührt einen der Grundwerte von Bitcoin. Wie das zusammenhängt? Mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.

Markt-Update

Am 10. Oktober wurde dem Kryptomarkt der Boden unter den Füßen weggezogen. Innerhalb kurzer Zeit fielen die Kurse um mehrere zehn Prozent. Hebelpositionen wurden geschlossen und Sicherheiten liquidiert, was die Kurse weiter nach unten drückte. Der Schaden belief sich auf mehrere zehn Milliarden US-Dollar.

Dies war der Beginn einer kräftigen Korrektur. Woche für Woche gaben die Kurse nach, bis am 21. November der Tiefpunkt erreicht wurde – rund 40 % niedriger als Anfang Oktober. Das ist inzwischen sieben Wochen her. Anleger verarbeiten die neue Realität in ihren Szenarien und in der Strategie für das neue Jahr. Ein Teil steigt nachträglich aus, ein anderer Teil baut seine Positionen hingegen weiter aus. Die ganze Zeit über hielten sich Angebot und Nachfrage weitgehend die Waage.

Im Chart des Altcoin-Marktes bildet sich eine mögliche Doppelboden-Formation. Ein Ausbruch über den höchsten Punkt zwischen den beiden Tiefs würde dieses Muster bestätigen. Das entspricht in etwa einem Bitcoin-Kurs von 81.000 €. Eine Etablierung oberhalb dieses Niveaus könnte das Startsignal für eine neue Rally sein.

Diese Rally würde viele Hinweise liefern. Erreichen wir neue Allzeithochs, ist der Bullenmarkt intakt. Sollten die Kurse jedoch das Niveau von Anfang Oktober nicht mehr erreichen, entstünde ein niedrigeres Hoch. Das wäre ein starkes Indiz dafür, dass der Bullenmarkt vorbei ist und wir uns auf dem Weg zum Tiefpunkt eines Bärenmarktes befinden – dem Endpunkt dieses Marktzyklus.

Im Fokus

Konflikt verschärft sich: Trump versus Zentralbank

Selten spricht ein Fed-Vorsitzender die Märkte an, als müsse er sich rechtfertigen. Noch seltener tut er das, um sich gegen strafrechtliche Drohungen zu verteidigen. Und doch war genau das, was Jerome Powell am Sonntagabend tat. Kurz vor der Öffnung der Börsen.

Keine Zahlen, keine Grafiken, keine geldpolitische Änderung. Powell sprach über Vorladungen, Ermittlungen und die Möglichkeit einer Strafverfolgung. Formal ging es um eine aus dem Ruder gelaufene Renovierung des Fed-Hauptquartiers. In Wirklichkeit ging es um etwas anderes: um die Frage, wer bestimmt, wo die Grenzen der Geldpolitik liegen.

Powell äußerte sich unmissverständlich. Der Angriff, so erklärte er, richte sich nicht gegen konkrete Pläne oder Budgets, sondern gegen den Leitzins. Es gehe darum, dass die Federal Reserve ihre Entscheidungen auf Wirtschaftsdaten und nicht auf politische Wünsche stütze. Dass er dies öffentlich aussprechen musste, war bezeichnend. Zentralbanker sollten solche Konflikte nicht öffentlich austragen. Dass Powell es jedoch tat, verdeutlicht, wie viel seiner Meinung nach auf dem Spiel steht.

Die Reaktionen waren vorhersehbar: von Verwunderung bis Unbehagen. Das passt nicht zum Bild der Vereinigten Staaten als ein Land, in dem Institutionen über Einzelpersonen stehen. Doch genau dieses Bild steht schon seit Längerem unter Druck. In einer Welt, in der Macht immer persönlicher ausgeübt wird, wirkt dieser Konflikt nicht wie ein Einzelfall, sondern wie ein Symptom.

Die Märkte verstanden das. Es gab keine Panik, keine Flucht aus dem Dollar. Wohl aber eine leichte Umschichtung. Ein bisschen weniger Vertrauen, ein bisschen mehr Unsicherheit. Als würden Anleger sagen: Dieses Risiko war bereits eingepreist, jetzt ist es nur sichtbarer geworden.

Was diesen Vorfall so unangenehm macht, ist nicht, dass das System versagt, sondern dass es sichtbar knirscht. Die Stärke Amerikas lag immer im Abstand zwischen Macht und Politik. In Regeln, die stärker waren als Individuen. Doch dieser Abstand erweist sich als weniger selbstverständlich als gedacht, sobald er von einem einzelnen Mann vor der Kamera verteidigt werden muss.

Der Konflikt wirft ein neues Licht auf Bitcoin. Nicht als Gewinner und schon gar nicht als sicherer Hafen. Bitcoin verhält sich längst nicht mehr wie ein Außenseiter, sondern wie ein Teil derselben Finanzlandschaft. Gerade deshalb ist der Kontrast interessant.

Während sich das traditionelle System auf Menschen stützt, die ihre Position verteidigen müssen, ist Bitcoin ohne prominentes Gesicht konzipiert; ohne Erklärungen, ohne Rechtfertigung. Es läuft weiter, unabhängig davon, wer unter Druck steht oder wer die Macht ergreift. Das macht Bitcoin nicht zur Lösung aller Probleme, aber zu einem wichtigen Gegenpol.

Powells Auftritt zeigt, wie verwundbar Macht wird, sobald sie persönlich getragen werden muss. Bitcoin erinnert uns daran, dass Geld auch anders organisiert werden kann. Manchmal reicht diese Erinnerung schon aus.

Quellen:

Weitere Nachrichten

  • Südkorea hebt Verbot für geschäftliche Kryptoinvestitionen auf. Börsennotierte Unternehmen und professionelle Anleger standen neun Jahre lang an der Seitenlinie. Nun dürfen sie bis zu 5 % ihres Eigenkapitals in die zwanzig größten Kryptowährungen investieren – vorausgesetzt, der Handel erfolgt über die fünf großen koreanischen Börsen. Insgesamt kommen rund 3.500 Marktteilnehmer dafür infrage. Ob auch Dollar-Stablecoins unter die neuen Regeln fallen, wird derzeit noch diskutiert.

  • BNY Mellon unterstützt tokenisierte Bankguthaben. Die US-Großbank hat einen Dienst eingeführt, mit dem Kunden Einlagen über eine Blockchain-Infrastruktur verschieben und nutzen können. Die Einlagen-Tokens können für Zahlungen, als Sicherheiten und für Hebeltransaktionen eingesetzt werden, wobei der wichtigste Vorteil in der schnelleren Abwicklung liegt. Es handelt sich dabei nicht um verkappte Stablecoins, sondern um echte Bankeinlagen, die eine digitale Form erhalten.

  • Morgan Stanley geht den nächsten Schritt in Richtung Krypto. Laut Barron’s will die Bank in der ersten Hälfte des Jahres 2026 den Handel mit Bitcoin, Ether und Solana über E*Trade ermöglichen. Später im Jahr soll eine eigene digitale Wallet folgen. Gleichzeitig prüft Morgan Stanley im Bereich der Private Markets die Tokenisierung von Aktien. Dies fügt sich in eine umfassendere Strategie ein, bei der Krypto in die Vermögensverwaltung und die Kapitalmärkte integriert wird.

  • Erneut Datenleck beim Hardware-Wallet-Hersteller Ledger. Dieses Mal gelangten Hacker über einen Zahlungsdienstleister an sensible Daten. Das bedeutet nicht, dass deine Hardware-Wallet plötzlich unsicher geworden ist. Es bedeutet jedoch, dass du in den kommenden Wochen besonders aufmerksam bei Kommunikation sein solltest, die scheinbar von Ledger stammt. So könntest du etwa Post erhalten, angerufen werden oder auf andere Weise dazu gedrängt werden, eine Handlung vorzunehmen.

Quellen:

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